Jakob ist der Sohn Isaaks und Rebekkas. Schon bei seiner Geburt ringt er mit seinem Zwillingsbruder Esau - und dieser Konflikt zieht sich durch sein ganzes Leben. Er kauft Esau das Erstgeburtsrecht ab und erschleicht sich den Segen seines blinden Vaters. Doch die Untat bringt kein Glück. Aus Angst vor Esaus Rache verläßt Jakob seine Heimat und flieht in die Wüste. Unterwegs erscheint ihm Gott in einem Traum und sagt: "Ich bin der Herr, der Gott Abrahams und Isaaks. Deine Nachkommen werden zahlreich sein wie der Staub auf der Erde, und durch dich und deine Nachkommen werden alle Geschlechter der Erde Segen erlangen. Ich bin mit dir und behüte dich, wohin du auch gehst." (Gen 28,14f)
Aber wohin soll Jakob gehen? Er schlägt den Weg nach Haran ein, von wo einst Abraham gekommen war. In der Nähe der Stadt trifft Jakob an einem Brunnen einige Schafhirten mit ihren Herden. Unter ihnen ist auch Rachel, die Tochter seines Onkels Laban. Offenbar streitet man sich um das knappe Brunnenwasser. Der Brunnenschacht ist mit einem schweren Stein verschlossen, den Rachel allein nicht bewegen kann. Jakob zögert nicht, sondern schiebt den Stein zur Seite. Diese Hilfsaktion für Rachels Herde bleibt nicht ohne Eindruck auf Laban; er nimmt Jakob als Hirten in seinen Dienst und verspricht ihm seine Tochter Rachel. Sieben Jahr hütet Jakob die Schafe seines Onkels. Doch als er um Rachels Hand anhält, ergeht es ihm ähnlich wie bei dem erschlichenen Vatersegen: In der Nacht schickt Laban nicht Rachel, sondern seine zweite Tochter Lea zu Jakob. Um Rachel zu erlangen, muß Jakob weitere sieben Jahre dienen.
Jakob zeugt zwölf Söhne - die Stammväter der jüdischen Stämme. Dann spricht Gott zu ihm: "Kehre zurück in das Land deiner Väter." Jakob bricht mit seinen Frauen und Kindern und einer großen Herde auf. Doch seine Späher berichten ihm, daß Esau mit einer Streitmacht naht. Jakob wird Angst und Bange. Eilig bereitet er Geschenke vor, um Esau zu beschwichtigen. Seine Diener, Mägde und Frauen überschreiten den Grenzfluß Jabbok, während Jakob allein zurückbleibt. Da erscheint ihm ein Mann und beginnt einen Ringkampf mit ihm. Bis zum frühen Morgen dauert dieses Ringen, ohne daß einer siegt. Als die Sonne aufgeht, sagt der Fremde: "Laß mich los!" Aber Jakob entgegnet: "Ich lasse dich nicht, wenn du mich nicht segnest." Da sagt der Fremde: "Nicht mehr Jakob wird man dich nennen, sondern Israel - Gottesstreiter. Denn mit Gott und Menschen hast du gestritten."
Jakob gelingt die Versöhnung mit seinem Bruder. Doch sein Leben wird von einem Schicksalsschlag überschattet: der angebliche Tod seines Sohnes Josef, der in Wirklichkeit von seinen Brüdern nach Ägypten verkauft worden war. Josef bleibt kein Sklave. Er kommt an den Hof des Pharao, wird dessen Verwalter, erlangt Einfluß und Macht und kann schließlich sogar seine Brüder vor einer Hungernot bewahren. Der totgeglaubte Sohn wird zur große Freude Jakobs zum Retter der Familie. Am Ende seines Lebens segnet Jakob seinen Sohn Josef und dessen Söhne mit den Worten: "Gott, der mein Hirte war mein Lebtag bis heute, der Engel, der mich erlöst hat von jeglichem Unheil, er segne die Knaben."
Jakob ist keine legendäre Gestalt, sondern ein geschichtlicher Mensch. In seinem Leben wird deutlich, daß "Gott die bösen Gedanken der Menschen (mit-) denkt zum Guten" (siehe Gen 50,20). Bettelarm, nur mit einem Hirtenstab ausgerüstet (Gen 32,11), hatte Jakob das Elternhaus verlassen, mußte viele Jahre als einfacher Schafhirte seinem Onkel Laban dienen und sich seinen Besitz hart verdienen, statt das Erbe eines Erstgeborenen anzutreten. Diese Jahr haben Jakob geprägt. Er kennt das harte Leben eines Hirten. In seiner Freude, den totgeglaubten Sohn Josef wiederzufinden, klingt bereits das Motiv des Guten Hirten im Neuen Testament an: "Wenn der Hirte das eine Schaf wiedergefunden hat, das verloren war, freut er sich mehr als über neunundneunzig, die sich nicht verirrt haben." (Mt 18,13)
Die Jakobs-Geschichte ist auch die Geschichte eines Segens. Sie beginnt damit, daß Jakob den Segen seines Vaters erschleicht. Dieser Vatersegen war mehr als eine Geste. Der Segen Gottes stand hier auf dem Spiel, der von Abraham auf Isaak übergegangen war. Gott verzeiht Jakob seinen Frevel. Er stellt sich auf seine Seite, als Jakob auf der Flucht ist vor den Folgen seiner Tat. Gott erteilt seinen Segen bedingungslos; Jakob dagegen kommt mit "Wenn" und "Aber": "Wenn du mich auf meinem Weg behütest, wenn du mir Kleidung und Essen gibst, wenn ich wohlbehalten nach Hause zurückkehre, dann..." (Gen 28,20)
Es sind Gedanken an Schutz und Fürsorge, die ihn beschäftigen, typische Gedanken eines Hirten, der für seine Schafe sorgen muß. Jakob hat noch nicht begriffen, daß Gott wirklich ein Guter Hirte ist, der für die Seinen sorgt. Jakob klammert sich jenem nächtlichen Kampf an Gott und läßt nicht los, bevor er gesegnet wird. Er ringt um den Glauben - ein Leben lang.

 
               Einleitung - Abel - Abraham - Jakob - Rachel - Joseph - Moses - David - Salomo - Ezechiel - Jesus - Petrus