"Moses weidete die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters Jetro. Eines Tages trieb er das Vieh über die Steppe hinaus und kam zum Gottesberg Horeb. Da sah er einen Dornbusch, der brannte und doch nicht verbrannte. Gott sprach aus dem Dornbusch zu Moses: Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen und seine laute Klage gehört. Ich sende dich zum Pharao. Führe mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten heraus!" (Ex 3,1ff)

Die Geschichte des Mose beginnt mit einer Bluttat: Moses tötet im Zorn einen Ägypter, der einen Hebräer geschlagen hatte. Er muß fliehen und entkommt nach Midian. Dort trifft er an einem Brunnen die Töchter des Priesters von Midian, die die unen des Vaters zur Tränke führen. Aber fremde Hirten drängen sich vor. Moses stellt sich auf die Seite der Frauen und verteidigt ihr Recht auf das knappe Brunnenwasser. Die Töchter berichten ihrem Vater davon, und Jetro nimmt Moses in seinen Dienst, gibt ihm seine Tochter Zippora zur Frau. Viele Jahre, so berichtet die Bibel, ist Moses als Schafhirte tätig. In einer jüdischen Geschichte wird erzählt: „Als Moses, unser Lehrer, die Herde Jitros in der Wüste hütete, entfloh ein kleines Schaf. Er lief ihm nach, bis es einen schattigen Platz erreicht hatte. Dort schien es eine Wasserstelle zu geben, denn das Kleine blieb stehen, um zu trinken. Als Moses das Schaf erreichte, sagte er: Ich wußte nicht, daß du fortgerannt bist, weil du durstig warst. Du mußt sehr erschöpft sein! Und er nahm das Schaf auf seine Schulter und wanderte zurück. Deshalb sprach der Herr zu Moses: Weil du die Herde eines Sterblichen mit Barmherzigkeit gehütet hast, vertraue ich dir meine Herde Israel an."

Moses ist kein Intellektueller, kein Prediger. Er sagt von sich selbst: "Ich bin keiner, der gut reden kann." Aber Gott läßt seine Bedenken und Ängste nicht gelten: "Ich bin mit dir, ich habe dich gesandt." Moses gehorcht und tritt vor den Pharao. Doch der ignoriert den Schafhirten, der es wagt, mit der radikalen Forderung nach Freiheit vor seinem Thron zu erscheinen. Er bedarf sieben Plagen, die über Ägypten hereinbrechen, bis der Pharao die Israeliten ziehen läßt. Moses führt das Volk in die Wüste Sinai, zum Gottesberg Horeb. Dort empfängt er die Zehn Gebote - das Bündnis, das Gott mit seinem Volk schließt und das mit den Worten beginnt: "Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus." (Gen 20,1)

Der Exodus aus Ägypten ist ein zentrales Thema der jüdischen Geschichte. Gott befreit sein Volk von Fremdherrschaft und Frondienst, schließt einen Bund mit ihm. Er wählt einen einfachen Hirten zu seinem Werkzeug und offenbart sich selbst als der Gute Hirte. In Psalm 77 heißt es: "Du führtest dein Volk wie eine Herde durch die Hand von Moses und Aaron." Gott verspricht, die Israeliten in ein Land zu führen, in dem "Milch und Honig fließen." Moses und Aaron werden zu Hirten des Volkes. Sie gehen voran, ebnen den Weg. Ihre Sorge gilt dem leiblichen wie dem seelischen Wohl der ihnen Anvertrauten. Moses sagt: "Ich habe euch vierzig Jahre durch die Wüste geführt. Eure Kleider sind euch nicht in Lumpen vom Leib gefallen, eure Schuhe sind nicht an den Füßen zerrissen..." (Dtn 29,4)
Stock und Stab, das Handwerkszeug jedes Hirten, werden Zeichen des Hirtendienstes: Der Stab, um die Schafe zu führen, der Stock, um sie zu verteidigen. Hirten benützen den Stab nicht nur zum Führen, sondern auch, um störrische Schafe mit der Krümme "an den Hammelbeinen" zu ziehen. Auch das Volk Israel erweist sich in der Wüste als "störrisch", lehnt sich gegen Gott und Moses auf.
Moses gelangt nicht in das gelobte Land Kanaan. Er darf es aber vor seinem Tod vom Berge Nebo aus sehen. Moses stirbt auf dem Berg, und das "Fünfbuch" des Alten Testamentes schließt mit dem gewaltigen Satz: "Niemals wieder ist in Israel ein Prophet wie Moses aufgetreten, keiner ist ihm vergleichbar." (Dtn 34,10)

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