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"Wenn Du weit gehen willst, geh mit anderen."
ICA/RIMOA Kongregations-Versammlung in Angers

Rund 100 Schwestern vom Guten Hirten, Laienpartner und ReferentInnen aus 28 Ländern in Europa, Afrika und dem Mittleren Osten nahmen vom 4. bis 15. Oktober 2014 an dem internationalen Treffen ICA/RIMOA im Mutterhaus in Angers teil. Es war der Wunsch vieler Schwestern gewesen, sich vor dem nächsten Generalkapitel des Ordens, das im Juni 2015 stattfinden wird, zu Diskussionen und Gedankenaustausch auf internationaler Ebene zu treffen. So entstand die Idee für die "Internationalen Kongregations-Versammlungen" (ICA), die nicht nur in Angers, sondern ebenso in Kuala Lumpur (Malaysia) für den asiatisch-pazifischen Raum und in Quito (Ecuador) für Nord-/Südamerika stattfanden. Neben den apostolisch tätigen Schwestern nahmen an der Versammlung in Angers auch Partner aus den Missionsländern und kontemplative Schwestern vom Guten Hirten teil. Im Mittelpunkt standen unter anderem Bibelarbeit, Informationen über die apostolische Arbeit in verschiedenen Ländern, Initiativen gegen Armut, Ausbeutung und Mädchenhandel sowie die weltweite Vernetzung der Schwestern. Die Delegierten verabschiedeten eine Resolution, in der sie sich gegen die Praktiken der radikal-islamischen ISIS-Truppen im Nordirak wenden. Darin heisst es u.a.: "Der Verkauf von gefangenen Mädchen und Frauen durch die ISIS-Truppen ist eine schwere Verletzung der Menschenrechte, die uns schockiert. Kann sich dieselbe internationale Länderkoalition, der es um die Befreiung und Sicherung der Ölquellen im Nahen Osten geht, nunmehr nicht auch um die Befreiung dieser Mädchen und Frauen bemühen? Wir appellieren an die internationale Gemeinschaft, ihren politischen Einfluss zu gebrauchen, um den Einsatz von Menschen als Kriegswaffen zu beenden."
Zum Thema Armut und Entwicklung referierten u.a. Christina Duranti vom Missions-Entwicklungs-Büro der Schwestern vom Guten Hirten in Rom und Catherine Mutindi aus der Einheit Kongo/Kenya. Ein Video zeigte den Delegierten, wie die Schwestern vor Ort gemeinsam mit Laien und befreundeten Gruppen durch Netzwerkarbeit, Gewinnung von Sponsoren, Mikrokredite und Rechtsbeistand die Situation der Menschen zu verbessern versuchen.

Weitere Berichte widmete sich dem Thema der wachsenden internationalen Spannungen und militärischen Konflikte, die zu einem Anwachsen der Flüchtlingsströme führen. Schwester Marie Claude Naddaf (Libanon/Syrien) gab einen Überblick über die lange Geschichte der Kriege im Nahen Osten und schilderte zusammen mit Schwester Hanan Youssef und Schwester Lolita Hussein die aktuelle Situation der Flüchtlinge im Irak, Syrien und Libanon, unter denen sich viele Christen befinden. "Die Kinder wachsen mit dem Eindruck auf, Gewalt sei normal", klagte Schwester Hanan. "Wir müssen die internationalen Waffenlieferungen in Krisengebiete stoppen!"
Unter dem Zeichen der Bibelarbeit standen die Vorträge von Schwester Rekha Chennatu, Provinzleiterin der "Schwestern von der Aufnahme Mariens" in Indien. In ihren theologischen Studien hat sich Schwester Rekha besonders mit der Rolle der Frauen im Alten und Neuen Testament befasst. Sie versteht die Vorbilder biblischer Frauengestalten wie Ruth, Judith, Esther, Maria Magdalena und Martha als eine Herausforderung an die Kirche von heute. In Angers widmete sich Schwester Rekha besonders dem Thema des Leitungs- und Führungsstils in den weiblichen Ordensgemeinschaften.

Die Laien und Missionspartner, die als Gäste an der ICA-Versammlung teilnahmen, zeigten sich erfreut über die lebhaften Gespräche und Diskussionen mit den Schwestern. "Wir sind glücklich, dass wir die Gelegenheit hatten, zur Vorbereitungen des Generalkapitels beizutragen und dass und unsere Stimmen einen wichtigen Platz bei den Beratungen eingenommen haben", stellte man übereinstimmend fest.


Während der Kongregations-Versammlung gab es zahlreiche Gelegenheiten zum Kennenlernen und zum Gedankenaustausch zwischen den Schwestern aus 28 Ländern. Mit dabei war auch eine Gruppe von jungen Schwestern mit zeitlichen Gelübden.

In ihrer Schlussansprache zitierte Schwester Brigid Lawlor ein afrikanisches Sprichwort: "Wenn du schnell gehen willst, geh alleine. Wenn die weit gehen willst, geh mit anderen." Der Geist der Kongregation und das besondere Gelübde des Eifers erlaube es den Schwestern, über alle Grenzen hinauszugehen und gebe allem, was sie täten, einen besonderen Sinn. Das Wort von Charles Péguy: “Sie werden Risiken eingehen und sich wundern über ihren Mut", sei wie ein Leitmotiv der Versammlung gewesen. "Gottesfurcht bedeutet, Gottes Wegen zu folgen", sagte Schwester Brigid. "Unsere besondere Beziehung zu Gott ermöglicht es uns, Wagnisse einzugehen, ungerechte Strukturen anzuklagen, die Menschenrechte zu verteidigen und gewaltlos für Frieden, Gleichheit und Gerechtigkeit einzutreten."