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Leib und Seele zusammenhalten
Schwestern vom Guten Hirten eröffnen Restaurant in Burkina Faso



Ein gutes Essen hält Leib und Seele zusammen. Das ist der Gedanke hinter einem Projekt der Schwestern vom Guten Hirten in Burkina Faso. In ihrer Niederlassung in der Stadt Bobo Dioulasso gründeten sie das Restaurant "Yelemani", das Ausbildungs- und Arbeitsplätze für Mädchen und Frauen schaffen und darüber hinaus mit guter lokaler und französischer Küche aufwarten soll. Ein einmalige Projekt, das schon jetzt große Aufmerksamkeit im Lande gefunden hat. Burkina Faso, die ehemalige französische Kolonie Obervolta, ist eines der ärmsten Länder der Erde. Fast die Hälfte der 16 Millionen Einwohnern lebt unterhalb der Armutsgrenze; zwei Drittel sind jünger als 25 Jahre. Überfüllte Städte wie Bobo Dioulasso bieten nur wenige wirtschaftliche Perspektiven, vor allem nicht für jungen Frauen und Mädchen. Nach Angaben der Weltbank verdient eine Frau in Bobo Dioulasso für eine Woche Arbeit nur ein Viertel von dem, was ein Mann bekommt. Die Mehrheit der jungen Burkinesinnen ist zudem aufgrund kultureller Tradition von der Grundschulausbildung ausgeschlossen. Ohne Bildung und Arbeitsmöglichkeiten sind besonders die jungen Mädchen und Frauen potentielle Opfer von Menschenhandel und sexueller Ausbeutung.

Dies alles führte zu dem Entschluß der Schwestern vom Guten Hirten, etwas für die ärmsten Frauen und Kinder in der Region zu tun, besonders für jene in den Slums von Bobo Dioulasso. Der erste Ansatz war der Aufbau einer Frauenschutzwohnung und eines Berufsausbildungzentrums. Hier können Mädchen und Frauen das Schneiderhandwerk und die Hutmacherei erlernen. Die Schwestern schickten Rosine, eine ihrer Mitarbeiterinnen, in die Hauptstadt Ouagadougou, um die Herstellung von Damenhüten aus leichten und bunten Stoffen zu erlernen. Mittlerweile haben die Schwestern eine Monopolstellung bei Hüten "made in Bobo" und man findet diese Produkte auf dem Hauptmarkt von Ouagadougo in sechs Boutiquen. Rosine kommt aus einer großen Familie mit neun Kindern. Ihre Eltern sind arbeitslos. Mit dem kleinen Gewinn aus dem Hutverkauf unterstützt sie ihre Geschwister und ermöglicht ihnen den Schulbesuch.

Andere Frauen, die kein Geld haben, um Stoff und Materialien zum Nähen zu kaufen und zuhause zu arbeiten, kommen täglich in das Berufsbildungzentrum und arbeiten dort unter Anleitung einer Ausbilderin. Was sie nähen und schneidern, wird oft direkt verkauft oder geht als Kommissionsware in die Geschäfte. Jede Frau erhält einen Prozentsatz am Gewinn der von ihr genähten Kleidungsstücke. Außerdem gibt es zwei Gruppen von Frauen, die mit Hilfe von Mikrokrediten ein eigenes Geschäft aufzubauen versuchen, etwa durch die Herstellung oder den Vertrieb von Brot, Bier und Obst.


In der Nähwerkstatt entstanden u.a. die hübschen Kleider für die Serviererinnen im neuen Restaurant der Schwestern in Bobo Dioulasso.


"Wir sehen jeden Tag, wie die Mädchen und Frauen sich freuen, dass sie eine Aufgabe haben und in der Lage sind, selber Geld zu verdienen", meint Schwester Hilaria Puthirikkal, Leiterin der kleinen Kommunität in Bobo Dioulasso. Die indische Schwester war nach ihrer Ausbildung in der Deutschen Provinz des Ordens zunächst in der Jugendarbeit in München und dann 24 Jahre in der Mission in Madagaskar tätig. Dann entschloss sie sich, noch einmal einen Neuanfang zu wagen und nach Burkina Faso zu gehen. Ihr zur Seite stehen Schwester Yvonne Bambara und Schwester Emilienne Dabire sowie zwei Kandidaten, die die Gemeinschaft der Schwestern vom Guten Hirten kennenlernen möchten. Schwester Yvonne ist die erste Schwester aus Burkina Faso. Sie hat ihre Ordensausbildung im Senegal gemacht und lange dort gearbeitet. Schwester Emilienne ist ebenfalls aus Burkina-Faso und hat erst vor einem Jahr ihre Gelübde abgelegt. Der Anteil der Christen in Burkina Faso liegt bei rund 15 Prozent; mehr als die Hälfte der Bevölkerung bekennt sich zum Islam.
2013 entstand der Plan, auf dem Gelände des Guten-Hirten-Gemeindezentrums ein Restaurant zu eröffnen. "Yelemani" bedeutet in der lokalen Dioula-Sprache soviel wie "Veränderung, Wandel" und beschreibt damit die Absicht dieses Projektes, nämlich Frauen und Mädchen aus den Slums eine Ausbildung zu verschaffen und so ihre Lebenssituation zu verbessern. In Halbjahreskursen sollen Frauen und Mädchen in der Küche, in der Bäckerei und im Restaurantservice ausgebildet werden. Im Juni 2014 konnten die Schwestern die erste Ausbildungsgruppe starten. Sie besteht aus fünf Mädchen, drei Ausbilderinnen, einem Laufburschen und einer Buchhalterin. Zusätzlich nehmen drei freiwillige Helferinnen an dem Kurs teil. Jedes Mädchen erhielt zu Beginn der Ausbildung ein Fahrrad, damit sie von zuhause zum Unterricht kommen können.



42 Plätze bietet das Restaurant "Yelemani" seinen Gästen. Hinter den Kulissen finden mehr als ein Dutzend Mädchen und Frauen einen Ausbildungs- und Arbeitsplatz.


Jede Auszubildende erhielt zu Beginn ein Fahrrad, damit sie ohne größere Kosten und pünktlich ihren Arbeitsplatz erreichen kann.

Schwester Hilaria ist hocherfreut über die Motivation der Auszubildenden: "Dass sie täglich pünktlich und voll Begeisterung zu uns kommen, zeigt, wie sehr sie daran interessiert sind, etwas zu lernen. Sie sind glücklich, die Chance zu haben, bald einen richtigen Beruf ausüben zu können." Die meisten haben die Schule vorzeitig verlassen oder nie eine Schule besucht. Einige Mädchen kommen aus dem Frauenschutzhaus der Schwestern, anderen leben bei ihren Familien. Zwei junge Mütter, ehemalige Bewohnerinnen des Hauses, nehmen an der Ausbildung teil. Ihre Kinder werdden in dieser Zeit in einem kleinen Kindergarten in der Nähe betreut. Auf diese Weise brauchen sich die Mütter während des Unterrichts keine Sorgen um ihre Kinder zu machen. In der Pause können sie hinübergehen und die Babys stillen.
Natürlich entwickelten die Schwestern auch Strategien, um im Lokalradio, in den Zeitungen und durch Mund-zu-Mund-Propaganda Werbung für das neue Restaurant mit seinen 42 Plätzen zu machen. Auch die Nähwerkstatt steuerte einen Beitrag zum Gelingen des Restaurantprojektes bei: sie entwarf und schneiderte hübsche Kleider für die Serviererinnen. Schwester Hilaria ist zuversichtlich, dass sich in zwei bis drei Jahren der Restaurantbetrieb selber finanziert. Zunächst aber wird der Restaurantbetrieb vielen Familien ein kleines Einkommen sichern, ihnen Zugang zur Gesundheitsfürsorge verschaffen und den Kindern eine Schulausbildung ermöglichen. Und Schwester Hilaria hat für das Restaurant bereits eine neue Idee: Sie sucht Sponsoren für einen Pizza-Ofen, denn eine Pizzaria ist eine Rarität in Bobo Dioulasso. Ein italienischer Pizza-Bäcker hat sich bereits angeboten, die Frauen kostenlos im Pizzabacken zu unterweisen.



Die drei Schwestern der Kommunität in Bobo Dioulasso (v.l): Emilienne Dabire, Hilaria Puthirikkal und Yvonne Bambara.