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Schwester Naddaf RGS bei Flüchtlingen im Irak

Schwester Naddaf (4.von links) in einem Flüchtlingszelt in Ain Kawa, Irak.


Schwester Marie Claude Naddaf RGS, Provinzleiterin von Libanon und Syrien, wurde von der Konferenz der Ordensleute des Libanon als Vertreterin in eine päpstliche Delegation der "Catholic Near East Welfare Association - Kath. Nahost Wohlfahrts-Gesellschaft " (CNEWA) entsandt, die den Auftrag hat, die Situation der Kirche und der Ordensleute im Irak zu untersuchen. Seit August 2014 sind Tausende von irakischen Christen, darunter auch viele Priester und Ordensleute, auf der Flucht vor dem Terror der islamischen ISIS-Truppen. Schwester Marie Claude hat umfangreiche Erfahrung in Flüchtlingsfragen, denn sie war maßgeblich an der Mobilisierung der Hilfe für Hunderttausende von irakischen Flüchtlingen nach der US-Invasion 2003 im Irak beteiligt. Die Delegation begann ihre Arbeit in der nordirakischen Stadt Ain Kawa, einem Vorort von Erbil und eine der ältesten christlichen Ansiedlungen im Irak. Der Besuch stand unter dem Eindruck von Meldungen, dass mehr als 150.000 Christen aus dem Gebiet von Qaraqosh auf der Flucht dorthin seien. Dies wurde in ersten Gesprächen mit Priestern und Ordensleuten bestätigt, die in Ain Kawa Flüchtlinge betreuen. Die Delegationsmitglieder begaben sich in kleinen Gruppen zu den Notunterkünften, die in öffentlichen Parks, in Schulgebäuden, Kirchen oder Zeltlagern anzufinden waren. Sie stießen auf verzweifelte Menschen, die keine Vorstellung davon hatten, wie es mit ihnen weitergehen soll. Die naheliegendste und dringendste Aufgabe besteht darin, ihnen Schutz zu bieten, medizinische Hilfe zu organisieren und sich um das Wohl der Kinder zu kümmern. Unter den Flüchtlingen sind auch Dominikanische Ordensschwestern, chaldäische Schwestern der Töchter Mariens, Schwestern des Heiligsten Herzens, Franziskanerinnen von der Unbefleckten Empfängnis und Kleine Schwestern Jesu. Die verschiedenen Gemeinschaften leben jetzt in Gruppen zusammen, einige in einem Seminargebäude, andere in Schiffs-Containern auf dem Gelände der Dominikanerinnen. Der Erzbischof von Mossul, Boutros Moshe, der aus Qaraqosh vertrieben wurde, teilt eine kleine Wohnung mit 20 anderen Flüchtlingen.
Als Schwester vom Guten Hirten wandte sich Marie Claude besonders der Notlage der Frauen und Mädchen zu. Einige von ihnen sind schwanger und müssen ihre Kinder in Zelten oder in öffentlichen Parks zur Welt bringen. Außer der Kleidung, die sie am Leib tragen und ein paar Tüchern besitzen sie nichts. Ein weiteres Problem ist die Tatsache, dass viele Frauen wegen der Landessitten die Zelte oder Unterkünfte nicht allein verlassen dürfen. Schwester Marie Claude war jedoch in der Lage, zusammen mit einer anderen Schwestern eine Mädchengruppe ins Leben zu rufen, die sich mehrfach pro Woche an einem sicheren und allgemein akzeptierten Ort treffen soll, um soziale Kontakte zu knüpfen und gemeinsam die Probleme der Flüchtlingsfamilien zu besprechen.
Schwester Marie Claude sagte, sie empfände die gleichen Sorgen und Nöte, die die Herzen der Flüchtlinge erfüllten. Sie wolle helfen, ihre bittere Lage weltweit bekannt zu machen, so dass niemand sagen könne, aber habe nichts davon gehört. Worte würde aber nicht ausreichen, die Tragödie der Menschen zu schildern, die aus ihrer Heimat, ihrer Kultur und ihrer Gesellschaft herausgerissen wurden und nun in vieler Hinsicht Entwurzelte seien. "Verstehen die Menschen, was ich gerade geschrieben habe?" fragt sich Schwester Marie Claude mit Blick auf die Öffentlichkeit und die Medien. "Oder hat die Welt diese Tragödie bereits wieder vergessen?" Und sie betet und richtet ihre Botschaft an alle, die sie hören: "Ich appelliere an alle Länder der Welt, eine Lösung zu finden zum Schutz der Familien und für die Rückkehr in ihre Städte und Dörfer, damit sie dort wieder in Würde leben können."



Eine typische Flüchtlingsunterkunft in einer Tiefgarage in Ain Kawa.