Guter Hirte in Hofheim feiert 125-jähriges Jubiläum

Mit einem Festgottesdienst am 28. August 2016 gedachten die Schwestern vom Guten Hirten der Gründung ihrer Niederlassung in Hofheim vor 125 Jahren. 1891 gründeten die Schwestern im ehemaligen "Schlösschen am Rosenberg" ein Erziehungsheim für Mädchen. In der Nazizeit wurde das Haus enteignet, nach dem 2. Weltkrieg den Schwestern zurückgegeben, die an die Tradition der Mädchenerziehung anknüpften. Später kam mit dem "Droste-Haus" ein Pflegeheim für betagte Ordens­schwestern und ein Kinderheim hinzu, das bis 1991 geöffnet war. Dort fanden u.a. Flüchtlingskinder aus Eritrea ein neues Zuhause. 1993 zog das Montessori-Zentrum auf das Gelände der Schwestern. Für seine rund 300 Kinder – von Hort und Kindergarten bis zum Abitur – hat das Montessori-Zentrum Gelände von den Schwestern gepachtet.

Der demographische Wandel geht auch an einer Ordensgemeinschaft nicht spurlos vorüber. Als Teil der Gesellschaft erfahren auch die Schwestern vom Guten Hirten ein höheres Lebensalter. Sie haben in ihrer aktiven Zeit in großen Klöstern gelebt und pädagogische und seelsorgliche Arbeit geleistet. "Diese Zeiten sind für die Schwestern vom Guten Hirten vorüber", wie Schwester Gudula Busch, Konventleiterin des Hauses vom Guten Hirten in Hofheim nüchtern feststellt. Im Orden haben große Veränderungen stattgefunden: der Trend ging immer mehr von großen Konventen hin zu überschaubaren kleinen Lebensgemeinschaften mitten unter den Menschen. "Auch im Alter wollen wir weiterhin selbstbestimmt, eigenverantwortlich und in christlicher Gemeinschaft leben", so Schwester Gudula. "Wir haben lange nach einer entsprechenden Wohnform gesucht, in der wir im Alter unsere christlichen Werte leben können und haben uns dazu entschlossen das Altenheim in selbstverantwortete Wohngemeinschaften umzugestalten."

Zielsetzung ist es, bis zum Jahreswechsel die Struktur so geplant und geringfügig umgebaut zu haben, dass zwei bis vier selbstverantwortete Wohngemeinschaften entstehen. In jeder dieser Wohngemeinschaften sollen bis zu 10 Mieter leben. Die Mieter werden dann sowohl Schwestern vom Orden des Guten Hirten, aber auch weltliche Mieter mit einem christlichen Menschenbild sein. Gemeinsam werden dann die Mieter in den Wohngemeinschaften ihren Lebensabend verbringen. Kein jetziger Bewohner muss aus der jetzigen Struktur ausziehen. Versorgungssicherheit wird durch die Beauftragung von Dienstleistern in den Bereichen Case Management, Alltagsbegleitung/Hauswirtschaft und Pflege gewährleistet.
Die Wohnungen der Mieter in der Wohngemeinschaft werden mit einem privaten Wohnbereich und einer optionalen Raumtrennung zwischen Wohnen und Schlafen, einer kleinen Pantry-Küche und einem barrierefreien Bad ausgestattet sein. In einem großen Gemeinschaftsbereich wird gemeinsam gekocht, gegessen, gelacht und gestritten, so wie es in allen Gemeinschaften vorkommt. Das Leben orientiert sich an der Normalität, sowie an den Fähigkeiten und Ressourcen des einzelnen Mieters.

Die Schwestern möchten mit dieser Veränderung zu dem zurückkehren, was in ihrem aktiven Ordensleben immer im Vordergrund stand: Eigenaktivität bei Selbstbestimmtheit und einem Leben in Gemeinschaft. Abgerundet wird das Versorgungszentrum in Hofheim-Marxheim mit der Planung einer Tagespflege und einem Betreuten Wohnen für ältere Menschen. Sehr deutlich wird an dieser Stelle der Wunsch nach einer Öffnung und Beteiligung des Quartiers bei der Gestaltung eines spirituellen Zentrums für Menschen in der letzten Lebensphase.

Das "Maria-Droste-Haus" wird zu einer modernen christlichen Wohngemeinschaft für Schwestern und weltliche Mieter umgestaltet.