Endlich sauberes Trinkwasser!
Ein Brunnen für die Schwestern vom Guten Hirten in Burkina-Faso

Im Jahre 2011 haben die Schwestern vom Guten Hirten eine Niederlassung in Bobo-Dioulasso (Burkina Faso) gegründet. Die ersten drei Jahre wohnten sie in einem angemieteten Haus. Es verfügte sogar über Leitungswasser - in dem afrikanischen Staat keine Selbstverständlichkeit. Schwester Hilaria Puthirikal erinnert sich, dass sie früh morgens gegen 4 Uhr aus dem Fenster der Wohnung heraus sah, wie Frauen und Kinder mit Eimern zum Wasserholen gingen. Sie mussten für das Wasser lange an einer öffentlichen Zapfstelle warten, weil sich dort die Menschen drängten. Und natürlich mussten sie für das Wasser auch bezahlen.
Im Jahre 2012 bekamen die Schwestern dann ein Grundstück, um dort einen Neubau für ihre soziale Arbeit zu errichten. Der erste Gedanke der Schwestern war, einen Brunnen bohren zu lassen. Nach langem Suchen fanden die Schwestern einen Brunnenbohrer, der von Ouagadougou kam, rund 360 Kilometer von Bobo-Dioulasso entfernt. Die Männer arbeiteten fünf Tage, ohne dass Wasser sprudelte. Nach 50 Metern Tiefe blieb der Bohrer stecken und die Spitze brach ab. Das war die erste Erfahrung mit dem Brunnenbohren.
Der Bau des Hauses begann, natürlich mit teurem Leitungswasser aus dem kommunalen Netz. Gleichzeitig suchten die Schwestern nach einem anderen Brunnenbohrer. Sie wurden auch fündig, und der neue Mann versprach hoch und heilig, dass er eine unterirdische Wasserquelle aufspüren werde und es bald Wasser geben würde. Aber das Ergebnis war wiederum niederschmetternd. Der neue Brunnenbohrer besaß keine geeignete Bohrmaschine, die den lockeren Sand aus der Tiefe herausbefördern konnte.
Schwester Hilaria gab jedoch nicht auf und suchte weiter. Sie erinnert sich: „Einmal kam einer und hat mir lang und breit erklärt, dass er schon viele Brunnen gebohrt und Wasser gefunden habe und mit einer kanadischen Hilfsorganisation zusammenarbeite. Das gab mir Hoffnung. Er hatte auch einen Vertrag vorbereitet, aber als ich ihn fragte, ob er mit einem Vertreter der Organisation herkommen könne, um alles zu besprechen, sagte er, die Kanadier seien wegen der politischen Unruhen in Burkina Faso abgereist. Meine kleine Hoffnung ging fast wieder verloren und ich habe zum lieben Gott gebetet, dass er uns nicht in der Wüste allein lässt.“
Dann hörte Schwester Hilaria von einer indischen Firma, die in Burkina Faso arbeitete und schon viele Brunnen gebohrt hatte. Ein Ingenieur der Firma erklärte ihr, das Bohren sei kein Problem, das könne man an einem Tag schaffen. Allerdings werde es eine teure Angelegenheit, denn man müsse wahrscheinlich 100 Meter oder noch tiefer bohren. Die Schwestern überlegten lange, was sie tun sollten, entschieden sich aber schließlich, noch einen letzten Versuch zu wagen.
Am 11. September 2019 kam dann der Brunnenbohrer mit seinen Leuten um 8 Uhr morgens, baute die Maschine auf und begann mit der Arbeit. Nachdem man 70 Meter tief gebohrt hatte, kam tatsächlich Wasser. Aber der Ingenieur meinte, es sei besser, noch 20 Meter weiter zu bohren. Gegen 19 Uhr hatte der Bohrer eine Tiefe von 90 Metern erreicht, und es sprudelte kräftig aus dem Bohrloch. Am nächsten Tag kamen die Arbeiter erneut, um eine elektrische Pumpe zu installieren und einige Stunden lang Wasser zu pumpen, um zu sehen, ob es sauber war. Eine arme Frau sagte zu Schwester Hilaria: „Schwester, bitte lassen sie uns alle zu diesem Brunnen - wir brauchen gutes Wasser.“ Es war fast wie in der Bibel, als Jesu der samaritanischen Frau am Brunnen begegnet.
Jetzt überlegen die Schwestern, wie die den Menschen in ihrer Nachbarschaft Zugang zu dem Brunnen ermöglichen können. Der neue Brunnen von Bobo-Dioulasso ist kein „Luxus“, sondern ein Schritt zur Verwirklichung des Menschenrechtes auf sauberes Wasser in einem Land am Rande der Sahelzone, das ständig unter Trockenheit leidet.



Die Brunnenbohrmaschine ist auf dem Gelände der Schwestern vom Guten Hirten angekommen.