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"Die verweinten Gesichter zum Lächeln bringen"

Die verheerende Tsunami-Katastrophe in Asien, die mehr als 200.000 Menschen das Leben gekostet hat, löste weltweit eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. In vielen der betroffenen Ländern leben auch Schwestern vom Guten Hirten. Durch die weltweite Vernetzung über das Internet war es möglich, innerhalb weniger Tage ein ungefähres Bild von der Situation vor Ort zu gewinnen und Hilfe zu organisieren. Wo es möglich war, machten sich Schwestern aus den verschiedenen Kommunitäten auf, um vor Ort zu helfen, so in Indien, Malaysia, Indonesien,Thailand und Sri Lanka.
Ein Schwerpunkt der Hilfe, die aus Deutschland kam, galt Sri Lanka - wo man sich gerade bemühte, die Folgen frührerer Überschwemmungen in den mittleren und östlichen Provinzen zu überwinden, als der Tsunami zuschlug. Schwester Anita Fernando, Provinzleiterin von Sri Lanka, schrieb: "Nicht einmal in den 20 Kriegsjahren hat unser Volk eine derartige Vernichtung von Leben und Besitz erlebt. Gedrängt durch unsere Berufung für die Armen, arbeiten wir Schwestern vom Guten Hirten in den Lagern im ganzen Land, getreu dem Wort unserer Gründerin Schwester Maria Euphrasia: Ich gehöre allen Nationen. Wir wollen versuchen, die verweinten Gesichter der Menschen wieder zum Lächeln zu bringen".
Während die Schwestern in Sri Lanka vor Ort zu helfen versuchten, bemühten sich andere Schwestern und Freunde des Guten Hirten in aller Welt, Geld und Material zu sammeln. Schwester Evelyn Fergus reiste im Auftrag des Generalrates in Rom im April nach Sri Lanka, um sich ein Bild von der Situation und den angelaufenen Hilfsmaßnahmen zu machen. Sie gewann Eindrücke von der ungeheuren Zerstörung, aber auch von der Hoffnung, die durch die Arbeit der Schwestern bei den Menschen vor Ort lebendig wurde. "Wir reisten nach Mulaithivu im Nordosten des Landes, wo über 3000 Menschen ertranken. In der Pfarrgemeinde, die wir besuchten, waren 40 Prozent der Gemeindemitglieder umgekommen, zwei Kirchen waren total zerstört. Von einigen Familien war niemand übriggeblieben. Ich traf ein junges Mädchen, das beide Eltern verloren hat. Sie stand noch immer unter Schock. Die Salesianer, die die Pfarre verwalten, haben ein Waisenhaus eröffnet. Dort traf ich drei Brüder aus einer Familie, die einmal zehn Kinder hatte... Unser nächster Halt war das kleine Dorf Thalayady. Hier ertranken circa 70 Menschen; viele Häuser und Boote wurden von den Wellen zertrümmert oder weggeschwemmt. Die Familien hier leben ausschließlich vom Fischfang, denn auf dem sandigen Boden kann man kein Getreide oder Gemüse anpflanzen oder Vieh halten. Die ganze Küste entlang sah man Bilder der Zerstörung - aber das Meer war ruhig und hatte ein wunderschöne blaue Farbe..."

Besonders groß war zunächst der Bedarf an Nahrung, Wäsche, Betten, Medikamenten, Küchengerät usw. für jene Familien, die ihr Haus verloren hatten. Die Schwestern brachten Hilfsgüter in die Lager und nahmen auch einige Familien im Provinzialat vom Guten Hirten in Nayakakanda auf. Nach dieser Erstversorgung ging es darum, die Schulen und Kindergärten wieder herzurichten. Bücher, Schultaschen, Schreibzeug und Schuluniformen wurden gebraucht. Die Schwestern unterstützen die Tsunami-Opfer aber auch bei der Hilfe für Selbsthilfe. Dazu gehörte u.a die Bereitstellung von einfachem Arbeitsgerät für den Wiederaufbau und für die Einrichtung von Werkstätten. Regale und Hütten für die Fischer wurden bereitgestellt, Waagen, Messer, Holzkisten, Fahrräder und Nähmaschinen. Um den Bau einfacher Holzhäuser zu ermöglichen, versorgten die Schwestern 5 Zimmermannswerkstätten mit den nötigen Handwerkszeug.
Mittlerweile normalisiert sich das Leben langsam wieder. Doch in vielen Orten ist die Infrastruktur zerstört. Um den Menschen, die von den Küsten ins Landesinnere geflohen waren, die Rückkehr zu erleichtern, konzentrierten sich die Schwestern auf die Renovierung oder den Wiederaufbau von Häuser und den Ankauf von Land. An verschiedenen Orten erwarben sie aus Spendenmitteln Land und schenkten es Familien. Da die meisten Bewohner der Küstenregionen von der Fischerei leben, war der Wiederaufbau des Fischereiwesens notwendig. Die Schwestern erwarben 15 Fischerboote mit Motorantrieb, mehr als 50 Kanus sowie mehr als 600 Fischernetze.
Materielle Hilfe war jedoch nur ein Teil der Arbeit der Schwestern. Die seelischen Schäden, die die Katastrophe in den Herzen vieler Opfer hinterlassen haben, werden noch lange Zeit nachwirken. Deshalb gingen die Schwestern in die Familien, versuchten zu trösten und zu beraten, organisierten Freizeiten für die Kinder und Jugendlichen und organisierten Frauengruppen.


Insgesamt gaben die Schwestern Spendenmitteln von 577.000 Euro für Hilfsmaßnahmen aus. Etwa die Hälfte davon wurden für den Ankauf und die Verteilung von Land aufgewendet, rund 20 Prozent für den Fischereisektor. In einer zweiten Phase sollen weitere 150.000 Euro investiert werden, um die Erfolg der Hilfsmaßnahmen abzusichern und weitere Projekte ins Leben zu rufen.