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Dass erneuert werde das Antlitz der Erde...
Eine Reise zu den Schwestern in Albanien

Seit Oktober 2009 sind vier Schwestern vom Guten Hirten in Albanien tätig. Die Gründung einer Ordensniederlassung in Pogradec ist vorgesehen. Pogradec liegt am Ohridsee und ist nur fünf Kilometer von der makedonischen Grenze entfernt. Nach Griechenland sind es 40 Kilometer. Es ist also ein Ort im Dreiländereck Albanien - Mazedo- nien - Griechenland.
Zur Zeit wohnen die Schwestern in der Stadt Korce, etwa 60 Kilometer südwestlich von Pogradec in zwei Mietwohnungen, bis in Pogradec ein neues Zuhause entstanden ist. Von der Provinzleiterin bin ich gebeten worden, vor Ort Gespräche mit dem Bischof und dem Konvent zu führen, um zu sehen, wie das Gute-Hirten-Projekt Gestalt annehmen könnte. Zwei Schwerpunkte bildeten sich jetzt schon heraus: Schwester Mirjam Beikes Aktivitäten bestehen in je zwei Gruppennachmittagen mit Kindern und Jugendlichen in Pogradec mit dem Ziel, Katechese anzubieten. Schwester Clare ist schon in ein albanisches Netzwerk gegen den Frauenhandel eingestiegen und sieht darin ihre apostolische Zukunft.



Über Schotterpisten ans Ziel
Am 5. Juni 2010 flog ich von Frankfurt nach Tirana, wo Schwester Mirjam mich abholte. Es regnete in Strömen und so blieb es den ganzen Nachmittag. Für die 220 Kilometer von Tirana nach Korce brauchte der PKW mit dem Würzburger Kennzeichen sieben Autostunden über Schotterpisten, Schlaglöcher und Baustellen. Am Abend kamen wir dann wohlbehalten in Korce an.
Am folgenden Sonntag fuhren wir morgens Richtung Ohrid, um bei den Jesuiten der Eucharistiefeier beizuwohnen und Schwester Lalini abzuholen, die dort Exerzitien gemacht hatte. Pater Kucan SJ, der Leiter des Bildungshauses, begrüßte uns sehr freundlich. Vor der Kirche trafen wir einen jungen Mann, den Schwester Mirjam aus ihrer Arbeit in Köln kannte. Sascho hatte 13 Jahre in Deutschland gelebt, wurde abgeschoben und studiert nun auf Lehramt in Zusammenarbeit mit den Jesuiten. Pater Kucan stellte unsere internationale Gruppe im Gemeindegottesdienst vor. Für das kleine Häuflein Katholiken in Mazedonien ist es immer eine Freude besonderer Art, die Weltweite der katholischen Kirche zu erfahren. Das Jesuitenzentrum mit der Kirche im Mittelpunkt wurde komplett von Renovabis gebaut, sehr gut, solide und zweckmäßig.



Ein wunderschönes Land
Albanien ist ein wunderschönes Land. Der Süden hat viel Wasser, das oft auch am Straßenrand aus kristallklaren Quellen kostenlos gezapft werden kann. Aber das Land ist durch die mehr als 40-jährige rigide kommunistische Herrschaft wirtschaftlich und menschlich heruntergewirtschaftet, schmutzig, armselig und korrupt bis in die Regierungskreise hinein. Korce sei die sauberste Stadt Albaniens, sagte man mir. Die Müllabfuhr dort haben die Deutschen organisiert, und sie funktioniert auch. Aber sobald man außerhalb der Städte ist, liegt der Müll irgendwo am Straßenrand, wird angezündet und verbreitet bestialischen Gestank.
Am nächsten Tag besuchten uns das Ehepaar Xhuti in Begleitung ihrer Tochter Elicja, eines Onkels und des Arbeitgebers von Herrn Xhuti. Letztere sprachen Englisch und fungierten als Dolmetscher. Elicja hatten die Ärzte im Krankenhaus in Korce fallenlassen, ohne sich um die Sturzfolgen zu kümmern. Das Kind ist inzwischen fünf Jahre alt und schwer gehbehindert. Es könnte in einem guten Krankenhaus in Ohrid operiert werden, aber die Eltern sind arm und können die erforderlichen 5.500 € nicht aufbringen. Nach Rücksprache mit unserer Provinzleiterin, Schwester Daniela, konnte ich ihnen sagen, dass wir aus Albanien-Spenden diese Summe übernehmen. Die Freude war übergroß.



Gespräche mit dem Bischof
Mittags fuhren wird dann zu fünft nach Pogradec, um uns dort mit dem Bischof zu treffen und das von ihm ins Auge gefasste Grundstück zu besichtigen. Es ist nicht sehr groß, aber wenn die aufstehende Ruine abgebrochen ist, ließe sich etwas daraus machen. Gedacht ist an ein Gemeindezentrum (Mehrzweckraum mit Kirche, Jugendräumen, Büros und Räumlich- keiten für unseren Schwestern-Konvent). Es gibt in Pogradec keine richtige katholische Kirche. Das kleine Haus, das der Bischof für Gruppen und Gottesdienste angemietet hatte, ist heruntergekommen. Für uns als Ordensgemeinschaft ist es wichtig, dass wir in Albanien den Status einer öffentlichen Körperschaft bekommen. Denn ohne diesen können wir weder ins Grundbuch eingetragen werden, noch ein Auto auf die Kongregation zulassen oder ein Bankkonto auf den Namen der Gemeinschaft eröffnen.



Katechese in Pogradec
Am Mittwoch, dem 9. Juni, fuhr ich bei 35 Grad Celsius mit Schwester Mirjam nach Pogradec, die dort zweimal wöchentlich Katechese-Unterricht für Kinder und Jugendliche erteilt, eingebunden in ruhige und bewegte Spiele. Die Kinder, darunter auch viele Straßenkinder, wirkten auf mich unerzogen und respektlos. Wenn nicht Genci, ein frisch getaufter junger Erwachsener und Patenkind von Schwester Mirjam, dabei gewesen wäre, hätten wir die Rasselbande kaum bändigen können. Diese Gruppenstunden finden mittwochs und freitags statt, eine wirkliche Herausforderung - auch sprachlicher Art - für Schwester Mirjam. Donnerstags nimmt Mirjam an der Katechese der Malteser in Korce teil, um von ihnen zu lernen. Sie hat ausserdem vier junge Katechumenen, die sich auf die Taufe vorbereiten möchten. Das Interesse der Menschen an der Religion ist nach 40 Jahren kommunistischer Diktatur groß.

Bei den Malteser-Brüdern
Der nächste Tag verlief etwas ruhiger. Wir reflektierten im Konvent die vergangenen Tage. Um 17 Uhr war „Service“ in der katholischen Kirche bei den Malteser-Brüdern, das heißt Wortgottesdienst mit Kommunionfeier. Rund 20 durchweg jüngere Personen nahmen teil. Die Gesänge waren mir fast alle bekannt: Taizé- und Focolare-Lieder. Die Schwestern haben oft wochenlang keine heilige Messe. Aber sie feiern jeden Morgen eine kleine Kommunion-Feier, indem sie nach dem Vater-Unser das hl. Brot empfangen.
Die Tage in Albanien vergingen schnell. Am 11. Juni fuhren Mirjam und ich nach Tirana zum Übernachten, denn der Rückflug war für den frühen Morgen des nächsten Tages angesetzt. In Tirana angekommen, besuchten wir die Herz-Jesu-Kirche der Jesuiten. Zu meinem großen Erstaunen gab es ein Festhochamt, es war ja Herz-Jesu-Fest. Die Kirche war gut besucht, ein Chor sang mehrstimmige Lieder nach bekannten Choralmelodien. Viele Schwestern der Mutter Teresa waren anwesend.

Deutschland hat mich wieder. Aber meine Gedanken sind viel bei unseren Schwestern, und wir werden alles Menschenmögliche tun, sie zu unterstützen. Und das kann jede und jeder von uns, vor allem auch im Gebet.

Schwester Gudula Busch RGS